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Pressemitteilung

Internationaler Rat für Meeresforschung veröffentlicht Fangempfehlung für Ostseebestände 2021

- Abwärtstrend gestoppt, Stabilisierung auf niedrigem Niveau -


- Krisenhilfe muss fortgesetzt werden -


Der Internationale Rat für Meeresforschung hat heute seine Empfehlungen für die Fischerei in der Ostsee für das nächste Jahr veröffentlicht. Für die Ostseefischer ist keine Entspannung in Sicht. Vielmehr geht der Existenzkampf in die nächste Runde. Für einige Bestände empfiehlt der ICES auch für das nächste Jahr wieder einen Fangstopp. Leichte Entspannung könnte es für den westlichen Dorsch geben. Die Grundlage für die Empfehlungen des ICES ist der Mechanismus des politisch festgelegten Managementplans für die Ostsee.

Der westliche Dorsch erholt sich weiter. Ende des Jahres 2019 war der Bestand kurz vor der Nachhaltigkeitsschwelle. Die Laicherbestandsbiomasse wird noch im laufenden Jahr den Schwellenwert für nachhaltige Bewirtschaftung (MSYB trigger) überschreiten. Der ICES empfiehlt unter bestimmten Annahmen, wie zum Beispiel der Entnahme durch die Freizeitfischerei und der Einwanderung von Ostdorsch in bestimmten Gebieten, eine Erhöhung der Gesamtfangmenge nach Ostsee Managementplan um 21,8 %. Das würde einer Gesamtfangmenge von 4.635 t für die kommerzielle Fischerei entsprechen.

Beim östlichen Dorsch empfiehlt der ICES auch für das nächste Jahr wieder einen Fangstopp für die gezielte Dorschfischerei. Bereits in diesem Jahr wurde die gezielte Fischerei auf den östlichen Dorsch untersagt und nur eine geringe Menge für Beifänge in anderen Fischereien zur Verfügung gestellt, um nicht die gesamte Fischerei in der östlichen Ostsee zum Erliegen zu bringen. Für den derzeitigen Bestandszustand sind hauptsächlich biologische Veränderungen ausschlaggebend. Laut der Einschätzung des ICES ist die Biomasse des Laichbestands (SSB) seit 2015 rückläufig und lag Schätzungen zufolge in den letzten drei Jahren unter dem Mindestschwellenwert (Blim). Die fischereiliche Entnahme bzw. Sterblichkeit (F) ist seit 2012 deutlich zurückgegangen und der für 2019 geschätzte Wert ist der niedrigste der Zeitserie. In kürzester Zeit ist die natürliche Sterblichkeit im Vergleich zur fischereilichen Sterblichkeit stark angestiegen. 2019 war die natürliche Mortalität etwa achtmal so groß wie die fischereiliche - 2018 war sie "nur" etwa dreimal so groß. Es ist deshalb unklar, ob die Bestandssituation mit fischereilichen Maßnahmen überhaupt verbessert werden kann.

Neben dem Dorsch gehört auch der westliche Hering zu den wichtigen Fischarten für die deutsche Ostseefischerei. Laut ICES liegt die Laichbestandsbiomasse (SSB) seit 2007 unter Blim. Die Rekrutierung in diesem Bestand ist seit Mitte der 2000er Jahre gering. Der ICES empfiehlt auch für diesen Bestand im nächsten Jahr wieder einen Fangstopp. Um diesen Bestand vernünftig zu bewirtschaften, wäre es notwendig, die Entnahme durch Norwegen und Schweden im Skagerrak und Kattegat angemessen zu regeln.

Deutlich positiv entwickeln sich die Plattfischbestände in der Ostsee, wie Scholle, Kliesche, Flunder und Steinbutt. So empfiehlt der ICES beispielsweise eine Anhebung der Gesamtfangmenge bei der Scholle um 13 %. Andere Arten wie die Sprotte bewegen sich im Bereich natürlicher Bestandsschwankungen.

Die ökonomische Situation für die Ostseebetriebe bleibt weiterhin angespannt, nicht zuletzt durch die derzeitige Corona-Krise. Ob diese eine Überlebenschance haben werden, hängt von der Fortführung der in den letzten Jahren vom Bund bewilligten Krisenhilfe ab. Die Corona-Krise hat allerdings nicht nur Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation. Auch die wissenschaftlichen Forschungsfahrten können derzeit nicht stattfinden, was sich in den nächsten Jahren negativ auf die Qualität der wissenschaftlichen Bestandsbewertung auswirken könnte.


Die Empfehlungen des ICES im Einzelnen:

ICES Empfehlungen für die Ostsee 2021





Kontakt: Claus Ubl 0176 - 832 10 604

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