overlay

Pressemitteilung

Corona fordert uns alle heraus - Maßnahmen zur Stärkung der deutschen Fischerei in der Krise

Status Quo

Die Erzeugung von Fischen und Fischwaren erfolgt in Deutschland in vielen verschiedenen Sparten und umfasst vielfach sämtliche Stufen der Wertschöpfungskette bis hin zum Endprodukt. Sie ist Teil des europäischen Binnenmarktes, unterliegt den stark integrierten Regeln der EU-Fischereipolitik und ist auf globalisierten Märkten einem globalen Wettbewerb ausgesetzt. Die Betriebe der Küsten- und Binnenfischerei sowie der Aquakultur sind überwiegend kleinskalig, oftmals in touristisches Geschehen eingebunden und stark in der Direktvermarktung.

Die Gesetzgebung für nachhaltige Fischerei ist in Europa und in Deutschland weit entwickelt. Die gesetzlichen Vorgaben und ihre Kontrolle haben zu einer nachhaltigen Verbesserung verschiedener Fischbestände in deutschen und europäischen Gewässern geführt.

Die einheimische Erzeugung von Fischen und Fischwaren deckt in Deutschland weniger als 20 % des Eigenbedarfs ab. In der EU liegt der Selbstversorgungsgrad mit Rohware bei rund 50 %. Die Differenz zwischen der einheimischen Erzeugung und dem einheimischen Verbrauch wird durch Importe aus Drittstaaten gedeckt. Insbesondere bei Einfuhren von Fisch und Fischwaren aus Drittländern anderer Kontinente mit Konfliktregionen, instabilen politischen Verhältnissen oder totalitären Regimen ist in vielen Fällen davon auszugehen, dass die Produktionsmethoden und insbesondere Kriterien für eine nachhaltige Befischung nicht annähernd vergleichbar sind mit den in Europa und Deutschland einzuhaltenden Standards. Bei einem gleichzeitig niedrigen Selbstversorgungsgrad innerhalb Europas und den weltweit höchsten Standards bei der einheimischen Erzeugung bedeutet eine weitere Schwächung der einheimischen Produktion, dass nicht nachhaltige Befischung analog gestärkt wird und dass mehr Fisch aus weniger nachhaltiger Erzeugung einen größeren Anteil der nationalen Versorgung ausmacht.

Deutsche Fischer sind auch aber nicht nur eine feste Größe als touristische Attraktion in Küstenregionen, sondern sie leisten einen elementaren Beitrag zu gesunder, nachhaltiger und klima- und naturschonender Ernährung. Wer nachhaltige Bewirtschaftung und Befischung fördern will, muss die einheimische Fischerei fördern, anstatt sie mit immer neuen und zusätzlichen Auflagen zu überziehen!


Corona und die Fischerei


Erwerbsfischerei

In den Verarbeitungsbetrieben gab es durch konsequente Hygiene-Maßnahmen, eine weitgehende Automatisierung und die Fokussierung auf ortsansässige Arbeitskräfte kein Infektionsgeschehen wie in der Fleischindustrie.

Dennoch hat Corona die Wettbewerbssituation deutscher Fischer erschwert. Einerseits ist großflächig pandemiebedingt der Tourismus in den küstennahen Regionen eingebrochen und die Direktvermarktung als relevantes existenzsicherndes Standbein zahlreicher Familienbetriebe massiv erschwert. Durch die Schließung der Gastronomie und Catering ist außerdem ein relevanter Absatzmarkt nur noch extrem reduziert aufnahmefähig.

Die Krabbenfischerei ist außerdem besonders durch die Pandemie-bedingte, starke Reduzierung der Entschälung in Marokko betroffen, die noch länger marktstörend wirken wird.

Die Fischproduzenten in der Binnenfischerei und Aquakultur haben eine Reihe von Herausforderungen zu bewältigen, die regional und produktspezifisch ganz unterschiedlich ausgeprägt sind. Lokale Impulse für die Direktvermarktung als Folge der Schließung von Gastronomie sind kaum ausreichend, die Verluste zu kompensieren.


Angelfischerei

Das Angeln selbst wurde durch die Corona-Pandemie und die zur Beherrschung der Pandemie verfügten Regelungen nicht beschränkt. Die Gewässer blieben in vollem Umfang zugänglich. Für diese Freizeitbeschäftigung im Freien gab es keine Corona-bedingten Regelungen. Bundesweit verzeichneten verschiedene Vereine einen Mitgliederzuwachs. Es gab eine erhöhte Nachfrage nach Angelerlaubnisscheinen. Ebenso gab es höhere Besucherzahlen bei Angelteichen.

Für Vereine und Verbände haben sich die Corona-bedingten Einschränkungen als erhebliche Belastung und Erschwernis erwiesen. Das Vereinsleben, insbesondere Gemeinschaftsveranstaltungen, wurden stark eingeschränkt bzw. konnten größtenteils nicht stattfinden. Sehr viele der geplanten Veranstaltungen, nicht nur Angelveranstaltungen insbesondere auch Fortbildungen, mussten abgesagt werden. Mit Beginn der ersten Lockdown-Phase im ersten Halbjahr sind geplante Vorbereitungslehrgänge für die Zulassung zur Fischereischeinprüfung ersatzlos entfallen. Das führte zu Einschränkungen und spürbaren Einnahmeverlusten für die Verbände. Insbesondere die fehlende Planungssicherheit erschwerte die rein ehrenamtliche Arbeit der Vereine.


Politische Forderungen


Wer Interesse an weltweit nachhaltigen Erzeugungsstrukturen in der Fischerei besitzt, muss die Anerkennung nationaler und europäischer Standards der Fischerei in Drittländern fordern. Die internationale Angleichung von Produktionsstandards und ihre Anwendung auf Produktionsweisen in anderen Regionen der Welt ist allerdings politisch aus vielerlei Gründen nicht unproblematisch, zeitintensiv und häufig nicht durchführ- und kontrollierbar. Gleichzeitig beklagen andererseits deutsche Fischereibetriebe trotz ihrer Einstufung als "systemrelevant" sogar zusätzliche und neue Bürokratie und die Erfordernis zur Einhaltung von Standards, häufig mit der Absicht von Umwelt- und Naturschutz, die ihr Ziel allzu häufig verfehlen, teilweise sogar ausdrücklich kontraproduktiv sind.

Damit die Politik ihrer eigenen Einstufung der Fischerei als "systemrelevant" gerecht werden kann, darf sie sie in der gegenwärtigen Krise nicht mit zusätzlicher, zumeist nicht zielführender Bürokratie überziehen. Der DFV fordert die Bundesregierung auf, in Abstimmung mit und unter Einbeziehung von Branchenvertretern einen Maßnahmenkatalog zu erarbeiten, der die Branchen krisenfester macht und bürokratische Lasten mindert.

Bei künftigen, die Fischerei betreffenden internationalen Fischerei- und Handelsabkommen, muss gewährleistet sein, dass Mindeststandards für nachhaltige Fischerei in den Hoheitsgewässern des Partnerlandes von allen Beteiligten eingehalten werden.

Die konkreten Konzeptionen zu Green Deal und Farm to Fork müssen fachlich mit Bezug zu den betrieblichen Realitäten ausgestaltet werden und dürfen nicht dazu führen, dass heimische Erzeugung in Standorte außerhalb der EU verlagert werden müssen.

Schutzmaßnahmen müssen für schutzbedürftige Objekte fachlich gut begründet und im Einzelfall zu messbaren Erfolgen führen. Pauschale Zielsetzungen (wie z. B. 30 % Schutzgebiet auf dem Meer und im Binnenland) laufen den Bemühungen entgegen, die regionale Erzeugung hierzulande zu stärken. Ressourcenschutz muss in der Kulturlandschaft durch nachhaltige Nutzung erfolgen.


Kontakt: Geschäftsstelle DFV 040 - 31 48 84

Titelbild_Homepage.jpg
Angler.jpg
Kutter6.jpg
selentfischer.jpg
AntaresWestbank.jpg
abfischen.jpg