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Pressemitteilung

Nordsee: Fischbestände wachsen weiter

ICES veröffentlicht Fangempfehlungen 2018

Nordsee-Kabeljau überschreitet Nachhaltigkeitsschwelle


Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) hat am 30. Juni seine Fangempfehlungen für die Nordsee im Jahre 2018 veröffentlicht. Bei vielen wichtigen Fischbeständen ist der Elterntierbestand (Laicherbestand) weiter gewachsen. Sie werden nachhaltig bewirtschaftet. Dadurch wird eine Zielsetzung der Reform der EU-Fischereipolitik, die nachhaltige Bewirt-schaftung bis 2020, vielfach bereits vorzeitig erreicht. Dirk Sander, Kutterkapitän und Vor-sitzender des Verbandes der Deutschen Kutter- und Küstenfischer, fasst die aktuellen Empfehlungen des ICES wie folgt zusammen: „Nachdem sich die Fischer zusammenge-rissen und viele Fische, die sie hätten fangen können, schwimmen lassen haben, sind die Bestände ordentlich angewachsen.“

Hier die wichtigsten Bestände für die deutsche Fischerei in Kürze:

Kabeljau

Der Elterntierbestand wächst weiter und überschreitet in diesem Jahr zum ersten Mal nach 1982 wieder die Nachhaltigkeitsschwelle von 150.000 t. Seit dem historischen Tiefststand im Jahre 2006 hat sich der Laicherbestand damit fast vervierfacht. Der Jahrgang 2016 ist nach Erkenntnissen des ICES der stärkste seit 1997. Ein weiteres Anwachsen des Bestandes ist also zu erwarten.

Da die fischereiliche Sterblichkeit nach Ansatz des höchstmöglichen Dauerertrages (MSY - maximum sustainable yield) im Moment immer noch etwas zu hoch ist, empfiehlt der ICES eine leichte Absenkung der Gesamtfangmenge (TAC Total Allowable Catch) um 12,2 % auf 59.888 Tonnen. Nach der EU-Norwegen-Management-Strategie wäre aber auch eine TAC-Anhebung um 9,3 Prozent auf 74.748 Tonnen denkbar. Norwegen und die EU haben in manchen Fällen unterschiedliche Auffassungen über nachhaltige Bewirtschaftung.

Der Nordseekabeljau war in der Vergangenheit zum Symbol für die Überfischung der Nord-see gemacht worden. Umweltverbände und die frühere grüne Agrarministerin wollten unbe-dingt einen Fangstopp durchsetzen, weil der Nordseekabeljau angeblich vom Aussterben bedroht sei. Der Wiederaufbau des Bestandes ist durch moderat gesenkte Fangquoten ge-lungen. Dieser schrittweise Ansatz hat ein Überleben der Fischereibetriebe ermöglicht. Die lautstark vorgetragenen Forderungen von grünen Ministern und Öko-Verbänden nach einem mehrjährigen Fangstopp haben sich als unbegründeter Alarmismus erwiesen.

Seelachs

Der Seelachs wird bereits komplett nachhaltig bewirtschaftet. Die Seelachsfischerei in der Nordsee war die erste deutsche Fischerei mit Nachhaltigkeitszertifizierung und hat sich bei-spielgebend um eine schonende Fischerei bemüht. Der ICES empfiehlt nach dem MSY-Ansatz eine leichte Absenkung der Gesamtfangmenge um 2,4 % auf 118.460 Tonnen. Die Prognosen für den Seelachs sind sehr positiv. Sollte die vom ICES vorhergesagte Bestands-entwicklung eintreten, wäre der Bestand im Jahre 2019 mit einem Elterntierbestand von knapp 280.000 Tonnen so groß wie zuletzt im Jahre 1978.

Scholle

Der Schollenbestand erreicht nach Angaben des ICES auch im Jahr 2017 wieder einen historischen Höchstwert. Der Laicherbestand hat inzwischen eine Größe von 936.773 Tonnen. Trotzdem empfiehlt der ICES nach MSY-Ansatz eine Absenkung der Gesamtfang-menge von 36 % auf 134.238 Tonnen. Nach dem aktuellen Managementplan könnte die Gesamtfangmenge aber auch nur um 11 % auf 185.365 Tonnen abgesenkt werden. Der Referenzwert für den Elterntierbestand wurde vom ICES im letzten Jahr deutlich nach oben gesetzt. Im letzten Jahr lag er noch bei 230.000 Tonnen, in diesem Jahr wurde er mehr als verdoppelt und auf 564.599 Tonnen angehoben. Diese Erhöhung hat aber keinen Einfluss auf die Fangempfehlung, da der Bestand im Moment immer noch deutlich über diesem Grenzwert liegt.

Die Empfehlung für eine 36%ige Absenkung der Quote stößt auf großes Unverständnis bei der Fischerei. Der Elterntierbestand wächst, die Zielwerte werden erreicht und es gibt aus-reichend Nachwuchs. Außerdem berichten Wissenschaftler über Anzeichen für eine „dichte-abhängige Wachstumsbegrenzung“. Das heißt, die Tiere wachsen langsamer und bleiben kleiner, weil so viele Schollen da sind, so dass nicht ausreichend Nahrung für ein optimales Wachstum aller Individuen vorhanden ist. Dies wäre also ein Hinweis auf eine bestehende Unterfischung und Anlass für eine Quotenerhöhung.

Nordseehering

Der Nordseehering wird seit vielen Jahren nachhaltig bewirtschaftet. Der Bestand schwankt unter dem Einfluss natürlicher Faktoren um 2 Millionen Tonnen Elterntiere und wird seit 1996 nachhaltig befischt. Nach der zwischen der EU und Norwegen vereinbarten Manage-ment-Strategie empfiehlt der ICES für 2018 eine leicht TAC-Erhöhung von 2 % auf 517.891 Tonnen.

Schellfisch

Beim Schellfisch empfiehlt der ICES nach MSY-Ansatz eine Anhebung des TAC um 11 % auf 51.037 Tonnen. Dieser Bestand zeigte in der Vergangenheit starke Schwankungen. Derzeit liegt der Laicherbestand über der Nachhaltigkeitsschwelle und steigt weiter an.

Seehecht

Der Seehechtbestand befindet sich seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau. Seit 2011 liegt der Elterntierbestand über 200.000 Tonnen und damit deutlich über dem Wert seit Beginn der aktuellen wissenschaftlichen Zeitserie im Jahre 1978. Der ICES empfiehlt für diesen Bestand nach MSY-Ansatz eine leichte TAC-Absenkung von 7 % auf eine 115.335 Tonnen.

Seezunge

Auch der Elterntierbestand der Seezunge wächst. In diesem Jahr erreichte er 67.961 Tonnen, das war davor zuletzt 1994 der Fall. Nach dem Managementplan der EU empfiehlt der ICES bei diesem Bestand ebenfalls eine leichte TAC-Absenkung von 7,6 % auf 14.900 Tonnen.

Die Empfehlungen werden jetzt von der EU-Kommission geprüft und Vorschläge erarbeitet. Die endgültigen Fangquoten für die meisten dieser Bestände werden bei den bilateralen Verhandlungen mit Norwegen festgesetzt. Sie erhalten, wie auch die restlichen Fangquoten, dann Rechtskraft durch den Beschluss des EU-Ministerrates im Dezember 2017.

Abbildungen:

Kabeljau Laicherbestand, Nachwuchs


Kabeljau Laicherbestand, Nachwuchs

Scholle Laicherbestand, Nachwuchs


Scholle Laicherbestand, Nachwuchs

Links zu den ICES-Empfehlungen:


Kabeljau:


Scholle:



Kontakt: Claus Ubl 0176 832 10 604

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