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Pressemitteilung

Ostsee-Fangquote 2020: Internationaler Rat für Meeresforschung veröffentlicht Fangempfehlung

- Bewirtschaftungsprobleme beim Dorsch und Westhering -


- Plattfische und zentraler Hering mit stabiler Bestandsentwicklung -


- Krisenhilfe muss fortgesetzt werden -


Für die deutschen Ostseefischer geht der Existenzkampf in die nächste Runde. Die heute vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES) veröffentlichten Fangempfehlungen für die Ostseefischerei für das kommende Jahr sehen bei vielen Beständen, die für die deutsche Ostseefischerei von Bedeutung sind, erhebliche Fangmengenabsenkungen bis hin zum Fangstopp vor. Die Grundlage für diese radikale Empfehlung ist der Mechanismus des politisch festgelegten Managementplans für die Ostsee. Für die tatsächliche Fangmengen-festsetzung ist aufgrund der besonderen Umweltbedingungen auch eine geringe Fang-quotenzuteilung sinnvoll. Die Fischerei hat in den letzten Jahren gemäß den Fangemp-fehlungen und Quotenfestsetzungen gearbeitet, so dass es für den von der Wissenschaft dargestellten schlechten Bestandszustand besondere Ursachen geben muss. Die Bestandsbewertungen des ICES stehen nicht in jedem Fall im Einklang mit den Beobachtungen, welche die Fischer täglich auf See machen.

Beim östlichen Dorsch wurde in diesem Jahr seit langem erstmalig wieder eine vollständige analytische Bewertung durchgeführt. In den vergangenen Jahren war der Bestand vom ICES als datenarm geführt worden. Laut der ICES Einschätzung ist die Biomasse des Laichbestands (SSB) seit 2015 rückläufig und liegt Schätzungen zufolge in den letzten zwei Jahren unter dem Mindestschwellenwert (Blim). Die fischereiliche Entnahmen bzw. Sterblichkeit (F) ist seit 2012 deutlich zurückgegangen und der für 2018 geschätzte Wert ist der niedrigste der Zeitserie. Der Bestand befindet sich trotzdem in einem schlechten Zustand. Dafür sind hauptsächlich biologische Veränderungen ausschlaggebend. So sind beispielsweise die Wachstumsraten und die Kondition der Fische in den letzten 30 Jahren deutlich zurückgegangen. Die natürliche Sterblichkeit ist hingegen dramatisch gestiegen und liegt laut ICES mittlerweile seit 10 Jahren über der fischereilichen Sterblichkeit. In 2018 war die natürliche Mortalität etwa 3mal so groß wie die fischereiliche. Es ist deshalb unklar, ob die Bestandssituation mit fischereilichen Maßnahmen überhaupt verbessert werden kann. Der ICES empfiehlt für diesen Bestand im Jahre 2020 ein Fangstopp. Dies hätte allerdings auch Auswirkungen auf die meisten anderen Fischereien in der östlichen Ostsee, da diese, wenn auch oft in nur geringem Umfang, östlichen Dorsch als Beifang mitfangen.

Die deutsche Fischerei erzielt hingegen im laufenden Jahr erstmals wieder nennenswerte Fänge von Dorschen in der östlichen Ostsee. Auch die derzeit beobachtete gute Kondition der gefangen Tiere passt nicht mit dem Bild zusammen, das der ICES in seiner Bestands-bewertung darstellt.

Der westliche Dorsch erholt sich weiterhin durch den starken Nachwuchsjahrgang 2016. Der ICES hat in seiner aktuellen Bewertung die Stärke dieses Nachwuchsjahrganges allerdings um ca. 50 % gesenkt, so dass die Prognosen deutlich schlechter ausfallen, als dies noch in der letztjährigen Empfehlung der Fall war. Nach Mehrjahresplan empfiehlt der ICES hier eine Fangmenge für die kommerzielle Fischerei für diesen Bestand zwischen 3.065 Tonnen und 5.105 Tonnen. Allerdings werden bei der Dorschfischerei im Ostseegebiet 24 (Darsser Schwelle bis Bornholm) auch eingewanderte Dorsche des östlichen Bestandes mitgefangen. Würde die gesamte Quote im nächsten Jahr ausschließlich in den Gebieten 22 und 23 gefangen werden dürfen, würde dies zu einer enormen Aufwandssteigerung in diesen Gebieten führen. Da es sich dabei auch um die Hauptlaichgebiete dieses Bestandes handelt, hätte dies eventuell auch Auswirkungen auf die Nachwuchsproduktion. Deshalb ist eine Laichschonzeit wieder im Gespräch. Nichtsdestotrotz steht der westliche Dorschbestand kurz vor der Nachhaltigkeitsschwelle und die Laicherbestandsbiomasse wird noch im laufenden Jahr den MSY-B trigger Wert überschreiten.

Neben dem Dorsch gehört auch der westliche Hering zu den wichtigen Fischarten für die deutsche Ostseefischerei. Laut ICES liegt die Laichbestandsbiomasse (SSB) seit 2007 unter Blim. Die Rekrutierung in diesem Bestand ist seit Mitte der 2000er Jahre gering. Der ICES empfiehlt auch für diesen Bestand im nächsten Jahr ein Fangstopp. Trotz der im letzten Jahr vom ICES durchgeführten Modellüberprüfung für diesen Bestand, bildet das Bestandsmodell die Wirklichkeit offensichtlich nicht ansatzweise ab. So ist in der Rückschau nach nur einem Jahr die Laicherbiomasse um ca. 25 % gesenkt worden. Ein Fangstopp im nächsten Jahr ist vermeidbar, wenn man das erwünschte Anwachsen des Bestandes auf einen Zeitraum von fünf Jahren ausdehnt und nicht innerhalb von zwei Jahren erreichen will.

Positiv entwickeln sich die Plattfischbestände. In der zentralen Ostsee ermöglicht die Bestandsentwicklung beim Hering weiterhin eine auskömmliche Fischerei. Davon können die deutschen Fischereibetriebe aber nicht profitieren.

Die enormen Reduzierungen bis hin zum Fangstopp bei den Fangempfehlungen für das nächste Jahr zeigen erneut, dass die wissenschaftliche Bestandsschätzung noch nicht die erforderliche Qualität erreicht besitzt. Es gibt in den Empfehlungen jedes Jahr bei einigen Fischarten zu große Sprünge, die in der Natur so nicht vorkommen und bei den Betrieben zu erheblichen Unsicherheiten führen.

Die Situation der Ostseebetriebe verschärft sich weiter. Ob sie die angespannte Lage überstehen können, hängt von der Fortführung der in den letzten beiden Jahren vom Bund bewilligten Krisenhilfe ab.



Kontakt: Claus Ubl 0176 - 832 10 604

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