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Pressemitteilung

Erfolgsgeschichten für europäische Fischerei und Fischereipolitik

Report des wissenschaftlich-technischen Ausschusses der EU zeigt Fortschritte bei nachhaltiger Bewirtschaftung der Fischbestände


Der wissenschaftliche, technische und ökonomische Ausschuss der EU (STECF) hat in seinem aktuellen Bericht über sein Monitoring der europäischen Fischereipolitik eindrucks-volle Daten über die Fischerei in europäischen Gewässern vorgelegt. Im Durchschnitt ist die Biomasse der Fischbestände angestiegen und der Zustand der Bestände hat sich verbes-sert, schreiben die Experten aus ganz Europa. Sie bewerteten den Zeitraum von 2003 bis 2015 und konnten folgende Entwicklungen dokumentieren:

Der Anteil der nachhaltig befischten Bestände ist in diesem Zeitraum von 30 % auf rund
60 % angestiegen und hat sich nahezu verdoppelt.

Die Daten für die Bestandsbiomasse zeigen an, dass der Anteil der Bestände außerhalb sicherer biologischer Grenzen von 65 % in 2003 auf 38 % in 2015 gesunken ist. Die fische-reiliche Sterblichkeit als Maß für die Entnahme aus dem Bestand hat deutlich abgenom-men.

Eine große Zahl der Bestände erreicht demnach die Ziele der letzten Reform bereits deutlich vor dem Stichjahr 2020.

Besonders erfreulich für die deutsche Fischerei ist die Tatsache, dass nachhaltig bewirt-schaftete Bestände bereits steigende Fangmöglichkeiten eröffnet haben. Dies ist besonders eindrucksvoll bei Nordseeschollen, Hering, Seehecht und Seelachs. Sogar der Nordsee-kabeljau, einst die Symbolart für überfischte Bestände in Europa und von den Umwelt-verbänden voreilig als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft, zeigt einen eindrucksvollen Wiederanstieg des Bestandes und erlaubt steigende Fangmengen (s. beigefügte Grafiken).

Die Ursachen für diese Erfolge liegen in einer konsequenten Orientierung der Quotenfest-setzung an nachhaltigen Zielwerten und dabei ein schrittweises Vorgehen über mehrere Jahre mit einer wirksamen Kontrolle. Die Flottenkapazitäten der Mitgliedsstaaten sind an die verfügbaren natürlichen Ressourcen angepasst worden. Dementsprechend hat sich die wirtschaftliche Lage der Fischereibetriebe in bestimmten Sektoren deutlich verbessert. Dabei haben die in den letzten Jahren gesunkenen Treibstoffpreise geholfen.

Dirk Sander, Kutterkapitän und Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Kutter- und Küstenfischer, fasst die Lage zusammen: „Wir sind stolz darauf, was erreicht wurde und haben dafür große Opfer gebracht. Diese Erfolge darf die Bundesregierung jetzt nicht mit unsinnigen Schließungen von Fanggebieten kaputt machen. Wir wollen die mühsam erarbeitete Nachhaltigkeitsdividende auch einfahren dürfen.“

Die schlechten Nachrichten in dem Experten-Report betreffen das Mittelmeer. Hier hat sich die Bestandssituation im Zeitraum von 2003 bis 2015 nicht verbessert. Die große Mehrzahl der Bestände ist weiterhin deutlich überfischt. Hoffnung macht hier allein der Bestand des wichtigen Blauflossenthuns, der einen deutlichen Wiederanstieg zeigte.

Insgesamt kommt der STECF zu dem Ergebnis, dass es aus heutiger Sicht wenig wahr-scheinlich ist, dass alle Bestände in allen Meeresgebieten bis zum Jahr 2020 vollständig nachhaltig bewirtschaftet werden. Dabei spielt auch eine Rolle, dass in der Natur immer wieder unvorhergesehene Ereignisse ablaufen wie zuletzt beim Ostseedorsch. Auch die mangelnde Präzision bei der wissenschaftlichen Bestandsschätzung trägt dazu bei, wie die jahrelange Unterschätzung des Seelachsbestandes gezeigt hat.

Kenngrößen wichtiger Fischbestände in der Nordsee (Seehecht, Kabeljau, Hering, Seelachs)
Fishing pressure = fischereiliche Sterblichkeit als Maß für die Entnahme aus dem Bestand
Stock Size SSB = Laicherbestandsgröße in t
Aus: ICES Advice 2016 für die jeweiligen Arten (Internationaler Rat für Meeresforschung, Kopenhagen)

Kenngrößen wichtiger Fischbestände



Kontakt: Dr. Peter Breckling, mobil 0173 975 64 19

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